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31.08.2020 - Good Practice: „Wir räumen Frauen im Handwerk einen besonderen Stellenwert ein“

JörgKapune_klein

Jörg Julius Kapune ist Inhaber von Julius Möbel – Tischlerei Kapune in Overath. Er hat zurzeit 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind sieben Frauen, eher eine Seltenheit im Tischlerhandwerk. Warum das so ist, zeigen seine Antworten und die einer seiner Mitarbeiterinnen auf die Fragen von Competentia Region Köln.

Herr Kapune, Wie kommt es zu dem ungewöhnlich hohen Frauenanteil in Ihrem Handwerksbetrieb?

Vermutlich liegt es daran, dass ich selber mit drei älteren Schwestern und meiner Mutter groß geworden bin. In meiner Gesellenzeit habe ich ein fantastisches Betriebsklima in einer Tischlerei kennen gelernt, in der auch Frauen beschäftigt waren. Am liebsten habe ich mich immer von einer Gesellin an den Maschinen einweisen lassen, da hier nie ein Konkurrenzverhalten entstand. Zeitig habe ich festgestellt, dass das Niveau insbesondere in einem Handwerksbetrieb mit Tischlerinnen und Handwerkerinnen überdurchschnittlich gut ist. Hinzu kam, dass meine zweite Schwester in den 1980er Jahren bereits eine Tischlerlehre als Frau im Handwerk absolviert hat. Dies war in der damaligen Zeit noch sehr ungewöhnlich.

Wie unterstützen Sie die Frauen in Ihrem Betrieb?

Wir fördern sowohl Frauen als auch Männer in der Berufsfindung von dem/der werdenden Praktikanten/Praktikantinnen zur Auszubildenden als auch Tischler/innen oder werdende Tischlermeister/innen. Wir bieten oftmals einen festen Zeitvertrag an, in dem sich die Mitarbeiter/innen binden und gleichzeitig die Meisterschule besuchen können. Meisterschüler/innen werden von uns sowohl finanziell als auch mit einer extrem flexiblen Arbeitszeit unterstützt, sodass sie sich ohne überdurchschnittlichen Druck in Ruhe sich auf die Meisterschule konzentrieren können. Die angefallenen Überstunden werden dann in den nächsten Jahren langsam wieder abgebaut bei voller Bezahlung.

Ich gebe dieses Interview auch, weil wir den Frauen im Handwerk einen besonderen Stellenwert einräumen. Ich verbinde mit Frauen im Handwerk häufig die Eigenschaften: überdurchschnittliches Engagement, viel Ehrgeiz und Biss. Außerdem habe ich den Eindruck: Wenn sich eine Frau für eine Tischlerlehre entscheidet, hat sie sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht und weiß, was sie möchte. Alle Frauen, die ich bisher ausgebildet habe, haben auch hier ihren Gesellenbrief gemacht und die Lehre nicht abgebrochen. Mittlerweile haben wir zum Beispiel in der Projektleitung eine Frau in einer Führungsposition, die einen fantastischen Job hinlegt. Wenn das Vertrauen bei Julius Möbel stimmt, ist nahezu alles denkbar und möglich.

Welche Möglichkeiten bieten Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Beruf und Familie/Pflege zu vereinbaren?

Ich freue mich über Nachwuchs und habe selbst drei Kinder. Sollte eine Mitarbeiterin bei Julius Möbel schwanger werden, könnte sie durchaus auch von der Werkstatt ins das Büro wechseln, um am Entwurf sowie der Angebotserstellung etc. mitzuarbeiten. Eine flexible Arbeitszeitgestaltung ist ebenfalls möglich. Wenn arbeitsrechtlich nichts gegen das Mitbringen von Säuglingen und Kindern spricht, ist auch dieses bei Julius Möbel überhaupt gar kein Problem. Als in der Coronazeit alle Kindertagesstätten und Schulen geschlossen hatten, habe ich unseren Mitarbeitern angeboten, ihre Kinder notfalls für zwei bis drei Stunden mit in den Betrieb zu bringen. Diese konnten hier Vogelhäuser bauen oder auch malen.

Auch für alleinerziehende Mütter haben wir uns vor Jahren bereits stark gemacht und haben bei einer naheliegenden Firma wegen des Betriebskindergartens angefragt. Sollten dort Plätze frei sein, ist es durchaus denkbar, dass Kinder von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Julius Möbel zur Betreuung aufgenommen werden. Wir unterstützen schwangere Frauen oder junge Mütter und Väter, denn wenn sich jemand in einer Firma wohlfühlt, kehrt sie oder er auch gerne nach ein oder mehreren Jahren wieder zurück.

Rennefeldt_Klein

Frau Rennefeld, Sie haben gerade Ihre Gesellenprüfung bei Julius Möbel gemacht. Wie war die Unterstützung während Ihrer Ausbildung durch Ihren Arbeitgeber?

Die Unterstützung während meiner Ausbildung durch Jörg Julius Kapune war super! Allein die Möglichkeit meine Ausbildung bei ihm absolvieren zu können, rief Begeisterung in mir hervor. Denn selbst heutzutage ist es noch ein Privileg, als Frau im Tischlerhandwerk eingestellt zu werden. Durch die Bereitstellung eines Projektleiters in den letzten drei Jahren wurde ich individuell gefördert. Ich hatte immer einen Ansprechpartner zur Verfügung, welcher mich bei allen Inhalten der Ausbildung unterstützt hat.

Die Ausbildung bringt einen nicht nur beruflich weiter, sondern fördert einen auch in der Persönlichkeitsentwicklung. Julius Möbel achtet darauf, dass man so schnell wie möglich seine eigenen Projekte bekommt, um selbstständiges Arbeiten zu lernen und Verantwortung zu tragen. Während der Entwicklung meines Gesellstückes wurde mir viel kreativer Freiraum gelassen, gleichzeitig stieß ich bei Fragen immer auf ein offenes Ohr.

Zusatzinformationen:

Kontaktdaten:

Kompetenzzentrum Frau und Beruf Region Köln

Hohe Str. 160 - 168
50667 Köln

Träger:
Stadt Köln

Ansprechperson:
Agnes Wojtacki

Tel.: 0221/ 35 50 65- 40

e-Mail:
competentia@stadt-koeln.de

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