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26.06.2017 - Fachtag „Frauen fördern – Fachkräfte sichern durch flexible Arbeitszeiten

Mit ihrem Vortrag „Arbeitszeiten an Lebensphasen orientieren – Handlungsfelder der Personalpolitik neu ausrichten“ vermittelte Prof. Dr. Jutta Rump, Direktorin des Institut für Beschäftigung und Employability, einen ersten thematischen Überblick. Damit Arbeitszeitmodelle und Arbeitszeitlösungen angeboten und umgesetzt werden können, benötigt es aus Sicht von Frau Prof. Dr. Rump ein Verständnis von Arbeitszeit als „Flexibilitätsfaktor“ und darüber hinausgehend sollten die Dimensionen der Zeitpolitik (Zeitsouveränität, Zeitsynchronisation, Zeit(um)verteilung, Zeitkompetenzen, Zeitqualität) im Blick behalten werden. Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung, sowie von technisch-ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zeichnen sich in der Arbeitswelt ab. In dem Kontext sieht Prof. Dr. Rump einen deutlichen Vorteil bei den Betrieben, denen es gelingt, den Vermögenswert der Beschäftigungsfähigkeit ihrer MitarbeiterInnen im Blick zu behalten. Grundlage dafür sei, dass es den Führungsverantwortlichen gelingt, durch entsprechende Maßnahmen und Instrumente die Balance zwischen Berufs- und Lebensphasen ihrer Beschäftigten herzustellen und zu halten. Der Vortrag zeigte deutlich, dass es sich dabei nicht um ein statisches Modell handeln kann, sondern ein dynamischer Aushandlungsprozess erforderlich ist, der hohe Anforderungen an alle betrieblichen Akteure stellt.

Mögliche Lösungsansätze sieht Prof. Dr. Rump durch die Einführung des mobilen Arbeitens oder in der feststellbaren Tendenz zu vollzeitnahen (75 %) Beschäftigungen statt Teilzeit.

In dem Vortrag von Angelika Wagner (Geschäftsführerin DGB Niederrhein) „Arbeit der Zukunft – Zeit zu gestalten“ wurde anhand von dargestellten Zahlen deutlich, dass in Duisburg der Anteil der Frauen an der Gesamtbeschäftigung leicht ansteigt aber immer noch unter dem Bundesdurchschnitt liegt und dass die Teilzeitbeschäftigung immer noch „Sache der Frauen“ ist (Teilzeitbeschäftigung: 24 % Männer und 76 % Frauen). Hinsichtlich der Arbeitszeitformen wird u.a. die Abnahme der in Normalarbeitszeit Beschäftigten und die stärkste Entwicklung der Teilzeitbeschäftigung im Dienstleistungssektor beschrieben. Arbeits- und Lebenszeit zu gestalten sei kein Frauenthema! Gestaltungsbedarfe an die Arbeitszeit ergeben sich aus Sicht von Frau Wagner zum einen aus den Situationen der Beschäftigten (z.B. Alterssicherung, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, wirtschaftliche Unabhängigkeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie…), der Betriebe (Fachkräftesicherung) und den sich ändernden Anforderungen und Rahmenbedingungen der Arbeitsplätze. Gestaltungsbedarf wird von Frau Wagner aber auch dahingehend formuliert, dass das bisherige Arbeitszeitmodell Arbeit ungerecht verteilt und Frauen ausgrenzt.

Ihre Vorschläge, Zeit zu gestalten beinhalten u.a. die Einführung eines Wahlarbeitszeitgesetzes, die Reform des Teilzeit- und Befristungsrechts, die Familienarbeitszeit und lebenslauforientierte Arbeitszeitmodelle.

Abschließend fand ein moderiertes Gespräch mit folgenden Teilnehmenden statt: Dr. Andreas Veres (PCG – Projekt Consult GmbH), Reiner Scholten (Geschäftsführer Café Scholten), Manuela Spaltmann (Pflegedienstleitung AWO Soziales Zentrum Wesel) und Gabriel Spitzner (Leiter der Regionalagentur NiederRhein). Die Vertreter der Beratungsinstitutionen sehen ein großes Potential in der spezifischeren Betrachtung von Arbeitszeit. Erfahrungen zeigen, dass oftmals Chancen in der Umverteilung von Arbeitszeit zu wenig Beachtung geschenkt wird. Umverteilung von Arbeitszeit könne auch zur Erhaltung von Arbeitsplätzen und einer höheren Zufriedenheit der Beschäftigten beitragen. Bei der Darstellung der Best-Practice-Beispiele wurde deutlich, dass Vieles machbar ist, wenn die Akteure miteinander im Gespräch bleiben, wenn alle sich um konstruktive Lösungen bemühen und es muss im Betrieb eine Kultur für ein Miteinander bestehen. Als Grundlage für den offenen Umgang sehen beide UnternehmensvertreterInnen eine Vertrauensbasis, die von Personalverantwortlichen aufgebaut werden müsse. Frau Spaltmann betonte auch, es sei für sie einfacher, Zeit in die Abstimmung mit ihren MitarbeiterInnen zu investieren, als wie zuvor, bei Ausfallzeiten für Ersatz zu sorgen.

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