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06.05.2020 - Die Corona-Krise als Treiber für digitale Geschäftsmodelle im Bildungswesen und Handwerk

#wirnutzenchancen - Interview-Serie von und für Unternehmen am Niederrhein

Wie gehen Menschen und Unternehmen in der Region Niederrhein mit der aktuellen Krise um? Antworten finden Sie in unserer neuen Interview-Serie von und für Unternehmen. Das Motto lautet: #wirnutzenchancen.

Wie ergeht es in der Corona-Krise Jan Kutscha?

Jan Kutscha arbeitet als Projektleiter bei der KH Qualifizierungs- und Vermittlungs GmbH in Duisburg im Bereich der Aus- und Weiterbildung eng mit der Geschäftsführung zusammen. Er berät und unterstützt im Projekt „vierpunkteins“ Unternehmen, die sich auf den digitalen Wandel einlassen.

Jan Kutscha

Jan Kutscha, www.bildungszentrum-duisburg.de

Welche Auswirkungen hat COVID-19 bisher auf Ihr Unternehmen, was ist anders als sonst?

COVID-19 stellt uns im Bildungsgeschäft vor enorme Herausforderungen. Durch den Erlass zu kontaktreduzierenden Maßnahmen der Landesregierung Nordrhein-Westfalen mussten wir unsere Bildungseinrichtung quasi über Nacht für den Schulungsbetrieb schließen. Um eine Fortführung unserer vielfältigen Qualifizierungsangebote sicherzustellen, wurde in kürzester Zeit ein digitales Bildungskonzept erarbeitet und umgesetzt. Im ersten Schritt wurde die neue digitale Lernplattform allen Teilnehmenden der Flüchtlingsprojekte zur Verfügung gestellt. Besonders bei Menschen mit Fluchthintergrund, die in Deutschland nach Orientierung suchen, ist es wichtig, dass sie sich in diesen schweren Zeiten nicht alleingelassen fühlen. Die berufliche Bildung ist meist eine der wenigen Konstanten in ihrem Leben, die man nicht einfach ersatzlos streichen sollte. Im weiteren Verlauf sollen auch die Umschulungen, Teilqualifizierungen sowie die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung mit digitalen Inhalten angereichert werden. Man sollte dabei allerdings nicht vergessen, dass die digitalen Bildungsangebote, gerade im Handwerk, lediglich eine Ergänzung zu den klassischen Praxisunterweisungen darstellen.

Was haben Sie in die Wege geleitet, um die Mitarbeitenden zu schützen?

In erster Linie wurden alle Mitarbeitenden mit Laptops ausgestattet und Homeoffice-Regelungen ins Leben gerufen. Für Ausnahmefälle, bei denen Mitarbeitende den Arbeitsplatz aufsuchen müssen, war der Eintrag in eine Liste notwendig. Durch diese Liste konnte sichergestellt werden, dass sich maximal fünf Personen gleichzeitig im Gebäude befinden und damit die Kontaktbeschränkungen eingehalten werden konnten.

Darüber hinaus wurden alle Mitarbeitenden mit Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel ausgestattet. Neueste Entwicklungen in Bezug auf COVID-19 und unser Bildungsgeschäft sowie Kurzarbeitsregelungen etc. wurden durch die Geschäftsführung in Videoform an alle Mitarbeitenden transportiert.

Gelingt es der KH Qualifizierungs- und Vermittlungs GmbH, ihre Geschäfte fortzuführen? Wie können Aufträge, bei denen sonst Gruppenkontakte üblich sind, alternativ realisiert werden?

Wie eingangs beschrieben, haben wir mit der Einführung einer digitalen Lernplattform einen Weg gefunden, die Einschränkungen auf unser Bildungsgeschäft abzufedern. Nichtsdestotrotz sind die Auswirkungen deutlich spürbar. Es sind beispielsweise nahezu alle Ausbildenden von Kurzarbeit betroffen und eine Vielzahl der geplanten Veranstaltungen (Messen, Workshops, Schulungen) wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Selbstverständlich greifen wir auch auf Video- und Telefonkonferenzen zurück, um den Kontakt zu Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartnern, Kolleginnen und Kollegen sowie Auszubildenden aufrechtzuerhalten.

Sie stehen in Kontakt zu Innungen und Handwerksunternehmen, welche Entwicklungen nehmen Sie derzeit wahr?

Betrachten wir die Betriebe, kann man sicherlich keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage geben, da jeder Betrieb – auch abhängig vom jeweiligen Gewerk – individuell von der aktuellen Corona-Krise betroffen ist. Beispielsweise haben Unternehmen aus dem Dachdecker-Gewerk gar keine Einschränkungen in ihrer täglichen Arbeit. Friseure hingegen haben sehr unter den Kontaktbeschränkungen und verschärften Hygienevorschriften zu leiden. Insgesamt stellen wir fest, dass Betriebe, die sich bereits in der Vergangenheit mit digitalen Themen befasst haben, für diese neue Herausforderung besser gewappnet sind und mit einem deutlich flexibleren Geschäftsmodell punkten können. Vonseiten verschiedener Handwerkskammern gab es bereits Signale, dass die Themen Blended Learning, E-Learning und Flipped Classroom durch die aktuelle Krise in den Vordergrund rücken. Die größte Herausforderung liegt hierbei allerdings in der Generierung von fachlich anspruchsvollem Content, welcher didaktisch wertvoll gestaltet werden muss. Um diesen Qualitätsstandards gerecht zu werden, ist der Austausch zwischen den Akteurinnen und Akteuren der beruflichen Bildung unabdingbar.

Bietet die Krise nicht allen auch eine besondere Chance, sich genau jetzt neuen Vertriebswegen und Kommunikationsformen zu öffnen?

Es gibt sicherlich auch positive Erkenntnisse, die wir aus dieser Krise ziehen können. Meiner Ansicht nach fungiert die Corona-Pandemie gerade als eine Art Motor für die digitale Entwicklung unseres Bildungswesens und der digitalen Transformation von Betrieben. Ich bin mir sicher, dass virtuelle Meetings und webbasierte Schulungsangebote nach Corona zu einem festen Bestandteil unseres Betriebsalltages werden.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus der Ausnahmesituation und wie blicken Sie in die Zukunft?

Ich denke, wir haben das Beste aus dieser Situation gemacht und schnell gehandelt. Nichtsdestotrotz wünsche ich mir, dass wir bald alle wieder ein Stück weit zur Normalität zurückkehren können und sich die Lage allmählich entspannt. Wir sollten allerdings auch die positiven Aspekte betrachten und digitale Formate stärker in unseren beruflichen Alltag integrieren, um in Zukunft flexibel auf solche Ausnahmesituationen reagieren zu können. Ich sehe dies auch als Chance für die Etablierung neuer digitaler Geschäftsmodelle.

Interview: Tarek Lababidi

(Kompetenzzentrum Frau und Beruf Niederrhein)

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