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13.05.2020 - In der ambulanten Pflege kommt es jetzt darauf an, sich aufeinander zu verlassen

Wir stehen Schulter an Schulter, auch virtuell

#wirnutzenchancen – Interview-Serie von und für Unternehmen am Niederrhein

Wie gehen Menschen und Unternehmen in der Region Niederrhein mit der aktuellen Krise um? Antworten finden Sie in unserer neuen Interview-Serie von und für Unternehmen. Das Motto lautet: #wirnutzenchancen.

Wie ergeht es Birgit Kessler in der Corona-Krise?


Birgit Kessler ist Geschäftsführerin beim ambulanten Pflegedienst Die Pflege – ambulanter Pflegedienst GmbH mit dem Schwerpunkt der palliativen Versorgung.

Birgit Kessler

Birgit Kessler, Geschäftsführerin www.die-pflege.com

Welche Auswirkungen hat COVID-19 bisher auf Ihr Unternehmen, was ist anders als sonst?

Eine Auswirkung ist die Schließung einzelner Betriebsteile (Tagespflege für ältere Menschen). Zeitnah musste die Betreuung für Kinder von Mitarbeitenden organisiert werden, da sowohl Schulen wie auch Kitas und auch Tagespflegeeinrichtungen geschlossen wurden. Der persönliche Kontakt zu unseren Mitarbeitenden wurde aufgrund des Virus auf ein Minimum reduziert, was zunächst für uns alle sehr befremdlich war. Das haben wir mit Medien wie Skype und Telefon nach anfänglicher Skepsis auffangen können.

Was haben Sie in die Wege geleitet, um die Mitarbeitenden zu schützen?

Von Anfang an wurden immer wieder Schulungen zu Themen wie Händehygiene, An- und Ausziehen von Arbeitsschutzkleidung und möglichen Übertragungswegen des Coronavirus über unsere E-Learning-Plattform und Videos durchgeführt. Gleich zu Beginn haben wir alle Patienten und ihre Angehörigen über Hygienemaßnahmen, Verbreitungswege und Schutzmaßnahmen in der häuslichen Krankenpflege informiert und darum gebeten, unseren Mitarbeitenden ein häufigeres Händewaschen zu ermöglichen und sich auch zu Hause an die Abstandsregel zu halten. Dank zahlreicher Stoffspenden von Mitarbeitenden, Patienten und Bekannten, konnten wir eine Vielzahl von selbst genähten Mund-Nasen-Schutzen herstellen. So konnten wir unsere Mitarbeitenden und im Anschluss auch die Patientinnen und Patienten damit ausstatten. Des Weiteren ist unsere Hygienebeauftragte seit Wochen damit beschäftigt, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel zu erwerben und so die Auflagen des Robert-Koch-Instituts und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte etc. zu erfüllen. Es gab Zeiten, in denen wir Schutzmaterialien nicht in ausreichender Menge käuflich erwerben konnten, in dieser Zeit sind wir kreativ geworden. So haben wir beispielsweise Schutzvisiere selbst hergestellt.

Anders als sonst ist sicherlich, dass wir Mitarbeitenden der Verwaltung das Homeoffice ermöglicht und eine strikte räumliche Trennung der Pflegeteams vorgenommen haben.

Um die Kontaktsperre soweit wie möglich einzuhalten, wurde ein „Die Pflege – Drive-in“ eingerichtet, an dem die Mitarbeitenden mit dem Auto vorfahren und kontaktarm ihre Arbeitsmaterialien erhalten bzw. abgeben können.

Inwieweit hat sich Ihre Auftragslage durch Corona verändert?

Zu Beginn der Krise waren Patienten und ihre Angehörigen stark verunsichert und haben zahlreiche Einsätze sowohl in der Pflege als auch in der Hauswirtschaft und Betreuung abgesagt. Das hat uns sowohl aus medizinisch-pflegerischer Sicht wie auch aus wirtschaftlichen Aspekten beunruhigt. Wir haben regelmäßigen telefonischen Kontakt zu diesen Patienten gehalten und nach etwa vier Wochen festgestellt, dass die Patienten nach und nach ihre Einsätze wieder wie gewohnt in Anspruch nehmen wollten.

Den Ausfall der Einsätze haben wir durch Einkaufsservice, telefonische Beratung und Betreuung, im Besonderen über die Osterfeiertage, versucht zu kompensieren. Dies haben wir getan, um unsere Patientinnen und Patienten nicht aus den Augen zu verlieren und unseren Mitarbeitenden eine dauerhafte berufliche Perspektive zu gewährleisten.

Bieten sich in der Krise auch besondere Chancen?

Wir, als Team von „Die Pflege“, sind zusammengewachsen. Trotz vieler Ängste, Unsicherheiten, zusätzlicher Aufgaben und Belastungen haben wir festgestellt, dass wir uns aufeinander verlassen können. Als Team verfügen wir über mehr Kreativität und Energien, als wir erwartet haben.

Homeoffice, Videokonferenzen (auch mit Patienten in Form von digitalen Pflegekursen, Schulungen und Beratungen) haben wir als hilfreiche Instrumente kennen und schätzen gelernt. Die digitale Kommunikation werden wir in jedem Fall ausbauen, ohne dabei den persönlichen Kontakt zu unseren Mitarbeitenden und Patienten zu verlieren.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus der Ausnahmesituation und wie blicken Sie in die Zukunft?

Wir blicken in jedem Fall positiv in die Zukunft! Letztendlich bietet jede Veränderung ja auch eine Chance und wir sind froh, dass unsere Mitarbeitenden den Weg mit uns gegangen sind und wir weiter gemeinsam, fröhlich und zuversichtlich in die Zukunft schauen.

 

Interview: Katharina Küpper-Schreiber

(Kompetenzzentrum Frau und Beruf Niederrhein)

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