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03.06.2020 - So schlimm ist es jetzt doch wieder nicht!

#wirnutzenchancen – Interview-Serie von und für Unternehmen am Niederrhein

Wie gehen Menschen und Unternehmen in der Region Niederrhein mit der aktuellen Krise um? Antworten finden Sie in unserer neuen Interview-Serie von und für Unternehmen. Das Motto lautet: #wirnutzenchancen.

Wie ergeht es Bruno Rattey in der Corona-Krise?

Bruno Rattey

Bruno Rattey, www.stahlbau-rattey.com

Bruno Rattey ist Geschäftsführer der Stahlbau Bruno Rattey GmbH & Co. KG. Als Spezialist für Stahlbau, Metallbau und Ingenieursdienstleistungen resümiert er zur Situation mit COVID-19: „Im Stahlbau wird man auch sonst nicht ständig in Watte gepackt.“


Welche Auswirkungen hat COVID-19 bisher auf Ihr Unternehmen, was ist anders als sonst?

Man wird in barschem Ton zurechtgewiesen, wenn man zum Beispiel bei Edeka zu dicht an einem anderen Kunden vorbeigeht (was mit den Regalen zusammenhängt).

Aktuell und mittelfristig erwarte ich einen Rückgang der allgemeinen wirtschaftlichen Tätigkeiten. Das Einschlafen vieler Betriebe macht sich jetzt erst bemerkbar.

Ich habe Angst, wenn man unvermittelt auf diese Arbeiter trifft, die zuvor in engen Gemeinschaftsunterkünften geschlafen haben und dann morgens im Kleinbus zur Arbeit gebracht werden. Das sind regelrechte Viren-Bomben, wie Westfleisch in Coesfeld.

Ich finde es außerdem schade, dass alle Veranstaltungen aktuell nur online stattfinden. Mein Unternehmen lebt auch vom Netzwerken und dafür sind Präsenzveranstaltungen besser geeignet.

Was haben Sie in die Wege geleitet, um die Mitarbeitenden zu schützen?

Das Standardprogramm: Masken. Das war anfangs extrem schwer. Einige Kunden sagten, eure Leute dürfen bei uns nur mit Masken arbeiten. Zeitgleich hatte kein Händler welche. Ja, es gibt eine neue Solidarität, sie hört aber am Verkaufsschalter für Schutzausrüstung auf.

Wenn es Ihren Auftraggebern schlecht geht, leiden auch Ihre Geschäfte. Wie nehmen Sie die Auftragsbereitschaft zurzeit wahr?

Die Leute zeigen eine von mir nie erwartete, extreme Kaufzurückhaltung. Insbesondere vor dem Hintergrund der Kurzarbeit, was bedeutet, dass man 40 Prozent weniger Geld in der Tasche hat und der Bedrohung ausgesetzt ist, im nächsten Schritt in der Arbeitslosigkeit zu landen.

Ich hatte am ersten Geschäftsöffnungstag in der Nähe des Centro Oberhausen zu tun und bin kurz rübergefahren. Ich wollte live sehen, wie die Leute die Bekleidungsläden stürmen. Dort war tote Hose. Gefühlt gab es mehr Verkaufspersonal als Kundinnen und Kunden und der fiese Geruch von Desinfektionsmitteln lag in der Luft. Man wurde sofort aus der Kaufstimmung gebracht.

Abgesehen davon nenne ich ein Beispiel: Ein Kunde von mir besitzt die drei größten Hotels, seine Altersversorgung sind Aktien. Schlimmer hätte es ihn nicht treffen können. Dieses Ertragsloch wird er über Jahre nicht rausholen können. Desaströs.

Bietet die Krise nicht allen auch eine besondere Chance, sich genau jetzt für neue Vertriebswege und Kommunikationsformen zu öffnen? Was gibt es auch Positives zu berichten?

Ja, bei den Vertriebswegen könnten wir zusätzlich Produkte über einen Internetshop verkaufen. Das werden wir auch mittelfristig anschieben.

Bei den Kommunikationsformen ist es schwieriger. Wenn man beispielsweise einen Manager erreichen will, erhält man von der Telefonzentrale die Handynummer, da er im Homeoffice ist. Dann wählt man diese Handynummer und der Anrufbeantworter springt an. Sechs Stunden später erhält man einen Rückruf. Teilweise gehen Leute nicht ans Handy mit der Begründung, dass sie nur 3,5 Stunden wegen Kurzarbeit tätig seien. Und Achtung: Homeoffice tötet den Teamgedanken.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus der Ausnahmesituation und wie blicken Sie in die Zukunft?

Ich werde versuchen, aus meiner 4,5-Tage-Woche eine 4-Tage-Woche zu machen und den Freitag zusätzlich zu genießen. Ansonsten werden die Karten neu gemischt. Ehescheidungen, Hausverkäufe etc. Für mich persönlich sehe ich die Zukunft nicht negativ, das liegt hauptsächlich daran, dass ich nicht materialistisch ausgerichtet bin.

Interview: Alexandra Schmitz

(Kompetenzzentrum Frau und Beruf Niederrhein)

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