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23.12.2016 - Zukunftsorientierte Personalentwicklung in der Pflegebranche – Potentiale stärken und ausbauen

In der Pflegebranche sind die Beschäftigten die wichtigste Ressource. Eine zukunftsorientierte Personalentwicklung hat deshalb einen erheblichen Einfluss auf die Qualität der Arbeit und damit letztendlich auf die Wettbewerbsfähigkeit der Pflegeeinrichtung oder des Pflegedienstes – auch auf dem Arbeitsmarkt.

26 Personalverantwortliche, Führungskräfte, Einrichtungs- und Pflegedienstleitungen und Vertretungen verschiedener Institutionen folgten der Einladung des Kompetenzzentrums Frau und Beruf OWL und der Gleichstellungsstelle des Kreises Herford und informierten sich im Kreishaus über Möglichkeiten der Personalentwicklung.

Landrat Jürgen Müller machte gleich zu Beginn seines Grußwortes deutlich, dass die Pflegebranche im Kreis Herford der Bereich mit den zur Zeit wirtschaftlich größten Zuwachsraten sei und der demographische Wandel hier in Zukunft besonders spürbar wird. Im Jahr 2040 werden im Kreis Herford voraussichtlich 25.000 weniger Erwerbstätige aber viel mehr pflegebedürftige Personen leben.

Im anschließenden Impulsvortrag knüpfte Unternehmensberater Andreas Heiber hier direkt an und machte klar, dass die größte Herausforderung im sicheren Wachstumsmarkt „Pflege“ das Finden und Binden des Personals ist. Die vorwiegend weiblichen Beschäftigen arbeiten häufig in Teilzeit. Wer von dieser Tätigkeit auskömmlich leben möchte, kehrt der Branche aber schnell den Rücken. Beschäftigte, die mehr arbeiten wollen, müssen gerade im ambulanten Bereich dann häufig mehr Teildienste in Kauf nehmen. Und genau hier setzen die Ideen und Vorschläge von Andreas Heiber an. Er skizzierte in zahlreichen Beispielen, welche Chancen das 2017 in Kraft tretende Pflegestärkungsgesetz II bietet. Er nannte unter anderem die Kombination von Versorgungs- und Betreuungsleistungen, die eine Tätigkeit mit größerem Stundenumfang „am Stück“ möglich macht, gleichzeitig aber auch der sprichwörtlichen „Rennpflege“ entgegenwirkt.

Auch Andrea Guhe-Strothmann von der Blomberg-Klinik in Bad Laer (Landkreis Osnabrück) beeindruckte mit Ihrem Praxisbericht die interessierten Zuhörenden. Die Pflegedienstleiterin setzt vielfältige Maßnahmen zur Personalentwicklung um und berichtete auch über etwas ungewöhnliche Ideen zur Bindung von Mitarbeitenden. Beispielsweise erhalten die Beschäftigten „Geburtstagsfrei“ für Kinder bis zum Alter von 14 Jahren. Zusätzlich bekommen diese Geburtstagskinder einen Geschenk-Gutschein des örtlichen Spielwarengeschäftes. Außerdem können die Mitarbeitenden über ein Freikarten-Kontingent für Spiele des VfL Osnabrück verfügen. Zum vierten Mal wurde die Blomberg Klinik auch 2015 gleich mehrfach für ihre Qualitäten als „great place to work“ ausgezeichnet. Das macht die Klinik als Arbeitgeber attraktiv, aber „Am authentischsten werben unsere begeisterten Mitarbeitenden selbst für unser Haus“ ist sich Andrea Guhe-Strothmann sicher.

In der abschließenden Podiumsdiskussion begrüßte Gabriela Hofmann als Pflegedienstleiterin im Heinrich-Windhorst-Haus, dass es „endlich mal um die Pflegekräfte geht“. In der von ihr geleiteten Einrichtung fühlen sich die Mitarbeitenden aufgrund der hausinternen Kultur wohl und dem Haus verbunden. Als besonders effektiv in der Bindung von Fach- und Hilfskräften beurteilt sie die regelmäßige Abfrage nach Weiterbildungswünschen und deren Umsetzung.

Jeanette Seifert als organisatorische Leiterin des Fachseminars für Altenpflege der DAA beobachtet in letzter Zeit, dass junge Pflegekräfte im Anschluss an die Ausbildung häufig keine Vollzeitstellen angeboten bekommen. Sie hält die Tätigkeit in Teilzeit nur während einer zeitlich befristeten Familienphase für sinnvoll.

Andreas Heiber als Experte für den ambulanten Bereich ist sich sicher, dass es bei der Personalentwicklung noch viel zu entdecken gibt. Wichtig sei vor allem das Schaffen von mehr Perspektiven, um Mitarbeitende gerade in der herausfordernden ambulanten Pflege zu halten. Er regte die Möglichkeit der Potentialberatung „mit kollegialem Blick von außen“ an. Petra Biernot von der Regionalagentur OWL hatte dazu einen weiteren wertvollen Tipp parat: „Mit den Förderprogrammen Potentialberatung und unternehmensWert:Mensch werden je nach Betriebsgröße bis zu 50% bzw. 80% der Kosten für externe Beraterinnen und Berater übernommen“.

Den Impulsvortrag von Andreas Heiber finden Sie hier

Den Erfahrungsbericht von Frau Guhe-Strohtmann finden Sie hier

Foto Internetseiten 14.12.2016

von links nach rechts:
Klaus Peter Jansen (OstWestfalenLippe GmbH)
Ella Kraft (Gleichstellungsstelle Kreis Herford)
Meike Stühmeyer-Freese (Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL)
Jürgen Müller (Landrat Kreis Herford)
Gabriela Hofmann (Heinrich-Windhorst-Haus, Herford)
Petra Biernot (Regionalagentur OWL)
Andrea Guhe-Strothmann (Blomberg-Klinik, Bad Laer)
Andreas Heiber (Unternehmensberatung System & Praxis, Bielefeld)
es fehlt: Jeanette Seifert (Organisatorische Leitung Fachseminar für Altenpflege der DAA)

Zusatzinformationen:

Kontaktdaten:

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33602 Bielefeld

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