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13.10.2017 - Projekt für Flüchtlingsfrauen erhält TalentAward Ruhr 2017

TalentAward Ruhr 2017 - Dr. Monika Goldmann  Verleihung des TalentAward Ruhr 2017 (von links): Talent Zeina Al Kallaa, Preisträgerin Dr. Monika Goldmann und Laudator Dietrich Hesse, Leiter der Abteilung HR Strategie und Controlling Evonik Industries AG. (Foto: Initiativkreis Ruhr)

TalentAward Ruhr 2017 - Dr. Monika Goldmann. Verleihung des TalentAward Ruhr 2017 (von links): Talent Zeina Al Kallaa, Preisträgerin Dr. Monika Goldmann und Laudator Dietrich Hesse, Leiter der Abteilung HR Strategie und Controlling Evonik Industries AG. (Foto: Initiativkreis Ruhr)

Große Bühne für erfolgreiche Nachwuchsförderer: Mit dem TalentAward Ruhr haben der Initiativkreis Ruhr und seine Bildungsinitiative TalentMetropole Ruhr am 12. Oktober 2017 in Essen fünf beeindruckende Beispiele für Talentförderung ausgezeichnet. Der vor 700 Gästen verliehene Preis würdigt Menschen, die sich herausragend für die Aus- und Weiterbildung des Nachwuchses im Ruhrgebiet einsetzen. Er ist mit insgesamt 25.000 Euro dotiert.

Eine Preisträgerin des TalentAward Ruhr 2017 ist Dr. Monika Goldmann mit dem Projekt „Beruflich durchstarten in Deutschland“. Hier geht es darum, qualifizierten, geflüchteten Frauen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Qualifikationen wertschätzen - geflüchtete Frauen stärken

Geflüchtete Frauen aus Syrien, dem Irak, Armenien oder Pakistan werden nicht als qualifizierte Fachkräfte, sondern als Hausfrauen wahrgenommen. Das wurde Dr. Monika Goldmann, 71, Gründerin und langjährige Vorstandsvorsitzende des Vereins Dortmunder Forum Frau und Wirtschaft (dffw), bei ihrer Arbeit mit Flüchtlingen klar.

Da sie seit Jahren eng mit Dortmunder Unternehmen zusammenarbeitet, um Frauen in qualifizierte Wirtschaftspositionen zu bringen, lag es für sie nahe, das Projekt „Beruflich durchstarten in Deutschland – betriebliches Mentoring für qualifizierte geflüchtete Frauen“ ins Leben zu rufen. „Wir wollen“, so Dr. Goldmann, „Frauen, die in ihrem Herkunftsland eine qualifizierte Arbeit hinter sich gelassen haben, eine berufliche Perspektive bieten.“ Bei den Dortmunder Unternehmen stieß sie auf Interesse: „Sie haben sich gefreut, dass wir auf sie zukommen, denn sie wollten etwas für Flüchtlinge tun, wussten nur nicht, wie.“

TalentAward Ruhr 2017 - Dr. Monika Goldmann (Foto: Initiativkreis Ruhr)

Empfängerin des TalentAward Ruhr 2017 - Dr. Monika Goldmann (Foto: Initiativkreis Ruhr)

Rund 30 Frauen werden zurzeit unterstützt

Im Projekt werden Frauen betreut, die Abitur, ein Studium oder Berufserfahrung haben, über eine Berufsausbildung verfügen oder diese abbrechen mussten. Zurzeit werden insgesamt rund 30 Syrerinnen, Armenierinnen, Pakistanerinnen und Irakerinnen unterstützt. Sie lernen Deutsch und werden im ausgebildeten Beruf als Hospitantin oder Praktikantin vermittelt.

Die Erfahrungen nach einem Jahr intensiver Begleitung zeigen: „Für die Frauen ist vor allem wichtig zu verstehen, welche grundlegenden Dinge in deutschen Unternehmen zählen“, sagt Dr. Goldmann. Das kann sein, wie man sich in Sitzungen kleidet, zum Geburtstag gratuliert, ob man sich duzt oder siezt. Manche blühten richtig auf, berichtet Dr. Goldmann. „Eine Frau aus Syrien hat eine tolle Entwicklung gemacht. Ihr Praktikumsbetrieb möchte sie halten.“ Im Projekt gibt es eine Wirtschaftsgruppe – mit Informatikerinnen, Buchhalterinnen und einer Wasserbauingenieurin, eine Medizin-Gruppe mit Ärztinnen und einer Apothekerin sowie eine Gruppe Lehrerinnen.

Qualifikationsnachweise bringen die meisten Frauen aus ihrem Land mit, die Hürde bestehe im Anerkennungsverfahren, berichtet Dr. Goldmann. „Teils aus Unwissen, teils weil nicht verstanden wird, wie eine Anerkennung verläuft.“ Haben Frauen den Weg in das Projekt gefunden, kann das der Beginn einer neuen Perspektive sein.

Goldmann: „Eine Informatikerin war extrem schüchtern, fast zu übersehen. Im Unternehmen hat sie ihr Kopftuch abgelegt und in ihrer Arbeit so sehr beeindruckt, dass ihr eine unbefristete Stelle angeboten wurde, obwohl sie noch besser Deutsch lernen muss.“ Eine Umweltingenieurin aus Syrien konnte die Dortmunder Verwaltung überzeugen. Sie setzte sich als Bewerberin auf eine Ausschreibung für eine Bauleiterstelle gegen deutsche Uni-Absolventen durch und durchläuft neben ihrer Tätigkeit zurzeit ein Traineeprogramm.

Das Ziel: Projekt im Arbeitsministerium ansiedeln

Das Projekt läuft erst einmal bis Mitte 2018. Dr. Monika Goldmann macht es Freude, ihr Wissen und ihre Erfahrungen aus einer langen Berufslaufbahn anzuwenden. Ihr Zwischen-Resümee: „Uns ist immer klarer geworden, man benötigt Case Management.“ Jobcenter, Anlauf- und Beratungsstellen und andere Institutionen müssten das Thema stärker auf die Agenda setzen. „Wir möchten mit dem Projekt einige Pflöcke einschlagen und das Thema im Arbeitsministerium ansiedeln“, formuliert Goldmann ihr Ziel.

Nachdem es ehrenamtlich begonnen hat, wird das Projekt von September 2016 bis August 2018 vom NRW-Landesministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter gefördert. Projektpartner sind das Grone Bildungszentrum NRW, das Dortmunder Forum Frau und Wirtschaft e.V., das Kompetenzzentrum Frau und Beruf Westfälisches Ruhrgebiet sowie das Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund.

Das Preisträger-Projektteam von PerMenti

TalentAward Ruhr 2017 - Gruppenfoto Preisträgerteam PerMenti der feierlichen Preisverleihung des TalentAward Ruhr 2017 im thyssenkrupp Quartier in Essen (Foto: Initiativkreis Ruhr).

TalentAward Ruhr 2017 - Gruppenfoto des Projektteams "PerMenti" (Foto: Stadt Dortmund, Martina Borgstedt)

Laudator Dietrich Hesse von Evonik Industrie AG lobt das Engagement der Soziologin: „Dr. Monika Goldmann wartet nicht erst ab, bis ihre Schützlinge sämtliche Feinheiten der deutschen Grammatik beherrschen. Noch während sie Deutsch lernen, planen ihre Talente den beruflichen Wiedereinstieg durch Hospitation und Praktika in heimischen Unternehmen. So können sich die Teilnehmerinnen sehr gut und sehr schnell mit dem Arbeitsmarkt in Deutschland vertraut machen." Hesse verwies mit großem Respekt auf die Erfolge des Projektes, das schon 40 qualifizierte Neuzuwanderinnen begleitet: "So setzte sich u. a. bei der Stadtverwaltung in Dortmund eine syrische Umweltingenieurin im Auswahlverfahren gegen deutsche Uni-Absolventen durch."

Der Film über PerMenti, in dem Dr. Monika Goldmann aus ihrer Perspektive über die Arbeit im Projekt berichtete, erhielt großen Beifall. Das Publikum zeigte sich beeindruckt vom Erfolg des Projektes und der Leidenschaft mit der die Preisträgerin, ihre Ziele verfolgt. Der TalentAward Ruhr ist mit 5.000 Euro dotiert.

Die Preisverleihung bildete den feierlichen Höhepunkt der TalentTage Ruhr 2017, einer bundesweit beispiellosen Leistungsschau der Bildung. Mehr als 115 Initiativen, Hochschulen, Unternehmen, Kammern und Kommunen zeigten dabei in 26 Städten bei rund 140 Einzel-Veranstaltungen, wo Talente zu finden sind und wie Nachwuchsförderung dank gezielter Bildungsangebote gelingen kann.

Zusatzinformationen:

Kontaktdaten:

Kompetenzzentrum Frau und Beruf Westfälisches Ruhrgebiet

Träger:
Wirtschaftsförderung Dortmund im Verbund mit der Wirtschaftsförderungs- gesellschaft für den Kreis Unna mbH

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