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26.09.2019 - Flexibilität ist gefragt

Unternehmensnahe Lösungen zur Kinderbetreuung im Kreis Unna

Foto (v. l. n. r.): Egon Schrezenmaier, Philipp Halbach, Andrea Pavlovic, Katja Sträde, Anke Jauer, Heidi Bierkämper-Braun, Katja Schuon, Jan Grau. Foto Beate Fleck

Foto (v. l. n. r.): Egon Schrezenmaier, Philipp Halbach, Andrea Pavlovic, Katja Sträde, Anke Jauer, Heidi Bierkämper-Braun, Katja Schuon, Jan Grau. Foto Beate Fleck

Ob eine Woche Ferienspaß oder die Königsdisziplin Kitabau – Unternehmen im Kreis Unna stellen einiges auf die Beine, um die Kinderbetreuung für Ihre Beschäftigten zu vereinfachen. In Haus Opherdicke kamen am 25. September 2019 knapp 50 Interessierte zusammen, um einen Blick auf Beispiele aus der Praxis zu werfen und Inspirationen für das eigene Unternehmen mitzunehmen. Vorgestellt wurden der Kinderbetreuungskostenzuschuss, Angebote zur Ferienbetreuung, Modelle zur betrieblich unterstützten Tages- bzw. Großtagespflege sowie der Bau einer Kita in Schwerte mit Belegplätzen für Unternehmen.

Studie: Angebotene Kinderbetreuung ist oft nicht flexibel genug

Was Unternehmen und Eltern in Fragen der Kinderbetreuung eint, beide benötigen individuelle und flexible Lösungen. Um der Sache auf den Grund zu gehen, hatte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna mbH gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Frau & Beruf die Unternehmen im Kreis zu ihren Erfahrungen mit Kinderbetreuung befragt. Etwa die Hälfte der teilnehmenden Unternehmen war tendenziell unzufrieden mit den bestehenden Betreuungsangeboten. Warum: In erster Linie erleben die Betriebe die angebotene Kinderbetreuung als nicht flexibel genug. Sei es weil die Angebote nicht zur Arbeitszeit passen, Kinderbetreuungsplätze gar nicht zur Verfügung stehen oder der gewünschte Umfang nicht angeboten wird.

Kinderbetreuungskostenzuschuss als win-win-Strategie

 Dr. Michael Dannebom, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kreis UnnaDie Folgen sind für die Arbeitgebenden durchaus spürbar: Sie bemängeln, dass Rückkehrende aus Elternzeit erst später oder nur mit geringerem Stundenumfang als geplant in den Betrieb zurückkehren konnten. Darüber hinaus beklagen sie höhere Fehlzeiten bei Beschäftigten mit Familienaufgaben.

Für Dr. Michael Dannebom, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kreis Unna, sind Ergebnisse wie diese Ansporn noch eine Schüppe draufzulegen: „Aber wir wollen nicht wie der Blinde von Farbe reden, sondern selbst was tun und familienfreundliche Maßnahmen durchführen.“ Daher zahlt die Wirtschaftsförderung allen beschäftigten Eltern einen steuer- und sozialversicherungsfreien Kinderbetreuungskostenzuschuss für nicht schulpflichtige Kinder. „Das entlastet die Beschäftigten und ist ein wichtiges Mittel zur Fachkräftebindung, also eine echte win–win Strategie“, ergänzt Dannebom.

Sechs Wochen Sommerferien sind lang

Tanja Vogel, MAXIMAGO GmbH aus Lünen zeigt eigens für die Kinderbedruckte T-Shirts und RucksäckeDeutlich wurde in der Studie und vielen Gesprächen mit Beschäftigten auch, dass es nicht unbedingt die reguläre Betreuung ist, die Sorge macht, sondern die außergewöhnlichen Fälle. Dazu zählen auch die Schließungszeiten von Kita und Schule in den Ferien. „Wir wollen nicht, dass Eltern ihren kompletten Urlaub splitten müssen, um die Ferienzeiten abdecken zu können. Am Ende können sie als Familie gar keinen Urlaub gemeinsam verbringen und das macht unzufrieden“, so begründet Tanja Vogel, MAXIMAGO GmbH aus Lünen, das Engagement für das einwöchige Ferienprogramm, das das Unternehmen seit 2018 anbietet.

Investitionen fallen für Versicherung, das Programm und die Betreuer an. „Darüber hinaus sind die Herausforderungen erstaunlich gering. Allerdings war das Buchen der verschiedenen Aktivitäten und das Packen der Lunchpakete ein nicht zu unterschätzender Aufwand für unser BackOffice.“, beurteilt Tanja Vogel den Aufwand für MAXIMAGO. In Unna Königsborn bietet der Pflegedienst Busch sogar sechs Wochen Sommerferienbetreuung als Kooperationsprojekt an.

Wenn Betriebe Betreuungseinrichtungen für Kinder schaffen

Wesentlich aufwändiger gestaltet sich dagegen die Einrichtung einer kompletten Betreuungseinrichtung wie zum Beispiel betrieblich unterstützte Tages- und Großtagespflege-Modelle oder der Bau einer eigenen Kita mit Belegplätzen für Unternehmen. Viele Eltern wollen kleine Kinder gerne nah bei ihrem Betrieb in einer kleinen Betreuungssituation untergebracht haben, während für größere Kinder eher größere Einrichtungen in Nähe des Wohnortes favorisiert werden.

Anke Jauer vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf Verschiedene Unternehmen, die passgenaue Lösungen anbieten wollen, haben im Kreis Unna bereits eine betrieblich unterstützte Tagespflege für bis zu 5 Kindern oder eine Großtagespflege für maximal 9 Kinder eröffnet. Katja Schuon, Leiterin Fachbereich Familie und Jugend im Kreis Unna, freut sich über die Initiative aus der Wirtschaft ist aber bei den Genehmigungen an gesetzliche Regelungen gebunden: „Das Kinderbildungsgesetz (kurz KiBiz) ist leider ein Bürokratiemonster. Da müssen wir uns dran halten. Aber wir helfen gerne.“ Das KiBiz regelt in Nordrhein-Westfalen die Struktur und Finanzierung der Tageseinrichtungen für Kinder. Anke Jauer vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf stellt mehrere gelungene Beispiel für solche Tagespflegeprojekt im Kreis Unna vor und rät Unternehmen: „Erstens sollten Sie frühzeitig Jugendämter, Bauamt und Brandschutz einbeziehen. Zweitens auf Ausgleichszahlungen an die Tageseltern achten, damit Ihre Beschäftigten jederzeit einsteigen können und nicht nur zum Beginn des Kindergartenjahres. Und drittens empfehle ich Ihnen, wenn möglich, eine fachliche Beratung einzukaufen.“

Bürokratiemonster und andere Stolpersteine

Von Bürokratiemonstern und anderen Stolpersteinen können die Schwerter Unternehmen ein Lied singen, die seit mehr als 10 Jahren an einer eigenen Lösung zur Kinderbetreuung arbeiten. Nun haben sie sich an die Königsdisziplin getraut und bauen in Kooperation mit der Stadt Schwerte die Kita „Rasselbande“ mit Belegplätzen für Unternehmen.

Philipp Halbach von der Diagramm Halbach GmbH & Co. KGAndrea Pavlovic von der Stadtwerke Schwerte GmbH; Philipp Halbach von der Diagramm Halbach GmbH & Co. KG sowie Egon Schrezenmaier von der Schrezenmaier Kältetechnik GmbH & Co. KG berichten eindrücklich, welche Hindernisse sie zur Seite räumen mussten. „Bei uns war es absolut furchtbar, man muss schon Überzeugungstäter sein“, bringt Philipp Halbach seine Erfahrungen auf den Punkt: „Die Kinder über die wir anfangs nachgedacht haben, sind inzwischen längst in der Schule. Aber es ist gut, dass man manchmal nicht weiß, auf was man sich einlässt.“ Denn eine unternehmensnahe, flexible Kinderbetreuung bewegt sich in vielerlei Hinsicht außerhalb der Standards, die das Gesetz vorschreibt. Das macht es an vielen Stellen so kniffelig.

Moderatorin Katja Sträde von der G.I.B.Doch der Bedarf an einer wirklich passgenauen Lösung ist groß, um Eltern eine frühere Rückkehr in den Beruf zu ermöglichen und Teilzeit auch zu anderen Zeiten als am Vormittag zu ermöglichen. Für all das müssen die beteiligten Unternehmen neben Zeit und Nerven viel Geld investieren, wie die Vorkosten für die Planung, für Grundstück und Gebäude, Vorhaltekosten für die Belegplätze, den Unternehmensbeitrag für die Nutzung der Belegplätze sowie Betriebskosten für Spontan- und Ferienbetreuung. Moderatorin Katja Sträde, die die Schwerter Unternehmen viele Jahre begleitet hat, fasst das Geleistete zusammen: „Wir haben viel gelernt. Die Tücke liegt meist im Detail, aber es ist der Wille da, etwas gemeinsam zu tun. Ich bin aber sicher, dass andere Unternehmen künftig davon profitieren werden.“

Die Veranstaltung "Unternehmen Kinderbetreuung " ist gut besucht.

Fazit: Eine spannende Veranstaltung, die ein realistisches Bild für viele lohnenswerte Wege der betriebsnahen Kinderbetreuung aufzeigte.

Zusatzinformationen:

Kontaktdaten:

Kompetenzzentrum Frau und Beruf Westfälisches Ruhrgebiet

Träger:
Wirtschaftsförderung Dortmund im Verbund mit der Wirtschaftsförderungs- gesellschaft für den Kreis Unna mbH

Ansprechperson:
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