Aktueller Inhalt:

29.01.2020 - Eine Frage der informellen Flexibilität

Das Team des Kompetenzzentrums Frau & Beruf un dReferentin Andrea Lawlor

Referentin Andrea Lawlor und das Team des Kompetenzzentrums Frau & Beruf: Laura Kanthak, Mareike Kauffeld und Ursula Bobitka. v. l. n. r. Foto: Beate Fleck

Lange Zeit war es eher ein exotisches Randthema für die Arbeitswelt: Die Vereinbarung von Beruf und Pflege eines Angehörigen. Doch das hat sich gründlich geändert. Dementsprechend groß war die Nachfrage beim Workshop Work+Care des Kompetenzzentrums Frau & Beruf.

Ist von Vereinbarkeit von Job und Familie die Rede, ging es in der Vergangenheit meist um Kitaplätze, Kinder- und Ferienbetreuung. Doch inzwischen stellt sich immer häufiger die Frage, wie Beschäftigte neben dem Beruf einen Angehörigen pflegen können.

Workshop: So gelingt auch diese Lebensphase. Damit Work + Care nicht das Aus im Job bedeuten

Teilnehmerinnen beim Workshop: Care + Work

Gut besucht: Der Workshop "Damit Work + Care nicht das Aus im Job bedeuten" am 28.01.2020

Die Gründe für diesen Wandel sind vielfältig. Zum einen gibt es immer mehr Pflegebedürftige in Deutschland. Bei fast drei Millionen liegt die Zahl, basierend auf Werten des Statistischen Bundesamtes. 85 Prozent von ihnen werden von Angehörigen gepflegt. War das früher ein Job der klassischen Hausfrau, sind heute immer mehr Menschen, die pflegen, auch erwerbstätig. Die Referentin Andrea Lawlor nennt alarmierende Zahlen: "In NRW kümmern sich 15,3 % aller Beschäftigten in kleinen und mittleren Unternehmen zu Hause um einen pflegebedürftigen Menschen."

In Zeiten, in denen qualifizierte Fachkräfte nicht beliebig verfügbar sind, werden Unternehmen gezwungen zu handeln. Denn die Folgen der Belastung durch die Pflege ist für die Unternehmen spürbar. Pflegeaufgaben bringen einen Menschen ans physische und psychische Limit. Fehlzeiten, Stundenreduzierungen, Krankheiten und gar die Kündigung sind allzu oft die Folge.

Unternehmen kümmern sich um die Work Life Balance Ihrer beanspruchten Beschäftigten

Im Workshop Work+Care beziffert die Referentin Andrea Lawlor die Folgekosten für fehlende Vereinbarkeit von Pflege mit dem Beruf auf mehr als 14 Tausend Euro pro Kopf: „Im Laufe der Pflegezeit geben 27 Prozent der Pflegenden ihren Job auf. Damit geht den Unternehmen enormes Know-how verloren.“

Workshop zum Thema Vereinbarkeit von Beruf un dPflege mit Referentin Andrea Lawlor

Workshop zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege mit Referentin Andrea Lawlor

Wenn Arbeitgebende sich darum kümmern, dass ihre Beschäftigten auch diese Lebensphase gut überstehen, profitieren sie gleich mehrfach. Sie fördern die Anwesenheit, erhalten die Arbeitsfähigkeit und Produktivität ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das wiederum erhöht deren Identifikation und Loyalität und das Unternehmen zeigt sich gut aufgestellt und attraktiv bei der Gewinnung und -bindung von Fachkräften.

Pflegesensible Unternehmenskultur

Doch was können Unternehmen dafür tun, damit Work+Care gelingen kann? Im Workshop wurden dazu vielfältige Ideen gesammelt. Viel getan ist schon, wenn im Unternehmen Ansprechpersonen und Informationen für den Pflege(not)fall verfügbar sind. Das bedeutet aber auch, dass das Thema bei den Führungskräften verankert ist, betont Referentin Lawlor: „Wenn Führungskräfte sensibilisiert sind, steigt die pflegesensible Kultur im Unternehmen. Warum also nicht mal einen Social Day im Pflegeheim für Führungskräfte“.

Meist geht es aber schlicht darum, individuelle, schnelle Lösungen zu finden. Denn jeder Pflegefall ist komplett anders. Manchmal braucht ein Mitarbeiter von heute auf morgen mehrere Wochen frei, manchmal ist einer Mitarbeiterin geholfen, wenn sie vorübergehend einen Parkplatz vor der Bürotür reserviert bekommt.

Hier sind kleine und mittlere Unternehmen oft im Vorteil. Sie brauchen keine großen Betriebsvereinbarungen, sondern können informell flexibel reagieren. Offenheit und Flexibilität spiegeln für Andrea Lawlor die grundlegende Haltung im Unternehmen: „Es hat mit gelebter Kultur zu tun. Eine Kultur, die alle Facetten des Lebens mitträgt.“

Organisatorin Mareike Kauffeld

Mareike Kauffeld, Organisatorin desWorkshops Work und Care

Beispiele dafür gibt es bereits viele: Das Unternehmen, das die Eltern zum Elternsprechtag lädt, der Leih-Rollstuhl der als Symbol seinen Platz im Unternehmen hat oder die Kolleginnen und Kollegen in Kamen, die freiwillig Urlaubstage oder Überstunden für den Alleinerziehenden spenden, der sein Kind pflegen muss.

Miteinander reden hilft

Mareike Kauffeld und Ursula Bobitka vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf haben den Workshop im Campus Treff organisiert. Mit fast 40 Teilnehmerinnen war die Resonanz höher als erwartet. Ursula Bobitka: „Wir hatten heue viele Besucherinnen, die zum ersten Mal bei einer Veranstaltung des Kompetenzzentrums waren. Das zeigt uns, wie sehr das Thema Pflege im Bewusstsein der Unternehmen angekommen ist und wie wichtig es ist, darüber zu reden.“

Ursula Bobitka vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf

Ursula Bobitka vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf

Für die vielen Beschäftigten, die heute und in Zukunft Angehörige pflegen, ist das eine gute Nachricht. Denn es kann jeden und jede treffen. Die grundlegende Bereitschaft von Unternehmen, auch in diesen Phasen für eine gute Work-Life-Balance zu sorgen und informelle Lösungen zu finden, ist der erste und vielleicht der wichtigste Schritt.

Zusatzinformationen:

Kontaktdaten:

Kompetenzzentrum Frau und Beruf Westfälisches Ruhrgebiet

Träger:
Wirtschaftsförderung Dortmund im Verbund mit der Wirtschaftsförderungs- gesellschaft für den Kreis Unna mbH

Ansprechperson:
Hier finden Sie Ihre Ansprechpersonen »

Kalender

< Januar 2022 >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31

Die nächsten 3 Veranstaltungen: