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10.03.2020 - Lieber Führungskraft als Everybody's Darling

Das Kompetenzzentrum hatte zu einem Forum eingeladen

Foto v. l. n r.: Katharina Neubert (Personalleiterin Albonair), Petra Schmidt (dsw 21), Ursula Bobitka (Kompetenzzentrum Frau & Beruf) und Julia Beer (Prospektiv GmbH). Foto Beate Fleck

Beim Internationalen Frauentag diskutierten weibliche Führungskräfte mit einem engagierten Publikum, was geschehen muss, damit mehr Frauen in den Führungsetagen ankommen. Das Kompetenzzentrum Frau & Beruf mit Ursula Bobitka hatte Petra Schmidt (dsw 21), Julia Beer (Prospektiv GmbH) und Katharina Neubert (Personalleiterin Albonair) als Expertinnen geladen, um anhand von Praxisbeispielen zu zeigen, was Unternehmen für die Karriereentwicklung von Frauen tun und welche Chancen Digitalisierung dafür bietet.

Vorgestellt wurden unter anderem das „Cross-Mentoring-Dortmund“ und das „DigiDo-Projekt“, bei dem es neben der Digitalisierung auch um das Thema Gleichstellung geht. Julia Beer sieht eine große Chance in der Digitalisierung für Frauen: „Es gibt spannenden Aufgaben im Projektmanagement, auch typische SoftSkills der Frauen sind stark gefragt, noch dazu steigert die Digitalisierung oft die Flexibilität und erleichtert damit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“

Forum 9 beim Internationalen Frauentag im Dortmunder Rathaus

Foto: Forum 9 beim Internationalen Frauentag im Dortmunder Rathaus

Dennoch scheuen Frauen immer wieder technische Berufswege oder Führungspositionen. Diese Erfahrung macht Petra Schmidt immer wieder, wenn sie bei der dsw21 vergeblich versucht, Frauen als Teamleiterinnen zu gewinnen: „Ich erkläre dann, dass es auch gar nicht so schwer ist, Führungskraft zu sein. Im Gegenteil es macht Spaß, andere Menschen zu führen und zu unterstützen.“

Führungskräfte müssen keine Workaholics sein

Katharina Neubert ist als Personalleiterin bei Albonair mit dem 2008 gegründeten Unternehmen gewachsen und ist stolz auf eine Produktion, in der hauptsächlich Frauen arbeiten: "Bei den Ingenieuren haben wir aber hauptsächlich Männer. Nach 10 Jahren haben wir nun unter den 19 Ingenieuren die erste Praktikantin.“

Interessante Redebeiträge und Diskussionen zum Thema Weibliche Führungskräfte

Foto: Interessante Redebeiträge und Diskussionen zum Thema Weibliche Führungskräfte

Die spannende Frage war also, warum Frauen Führungspositionen ablehnen. Viele Teilnehmerinnen beteiligten sich an der angeregten Diskussion und zeigten dabei die ganze Vielfalt und Komplexität des Themas auf: Manchmal sind es Rahmenbedingungen, oft aber auch falsche Erwartungen und antiquierte Unternehmenskulturen. Dazu Katharina Neubert: „Eine Führungskraft ist nur gut, wenn sie nicht gebraucht wird. Oft dominiert aber noch das Denken, dass Führungskräfte Workaholics und immer präsent sein müssen.“

Kinder abholen oder Anschlusstermin?

Und hier beginnt wieder das Thema Vereinbarkeit, das nicht nur eine Frage für Unternehmen und Arbeitgebende ist, sondern auch in jeder Beziehung gelebt werden muss, damit der größere Teil der Care-Arbeit nicht an den Frauen hängen bleibt. Dennoch sieht die Realität für weibliche Führungskräfte oft anders aus, wie eine Teilnehmerin schildert: „Ich musste Meetings immer um 16.00 Uhr verlassen, weil ich meine Kinder abholen musste und dachte immer, ich bin die einzige. Bis mir ein Kollege sagte, es gibt hier auch Männer, die ihre Kinder abholen, die sagen das aber nicht. Die sagen: ‚Ich muss jetzt los, ich habe einen Anschlusstermin.‘“

Beispiele wie diese zeigen, dass sich Änderungen auf vielen Ebenen vollziehen müssen. Das gilt nicht nur für weibliche Führungskräfte sondern auch für die Technikaffinität von Frauen. So zeigt sich in Informatik-Studiengängen, die auf konkrete Anwendungen abzielen ein deutlich höherer Frauenanteil als in der „reinen“ Informatik. Ursula Bobitka ergänzt: „Mädchen müssen den Sinn erkennen und manchmal auch geschubst werden“, und verweist auf die Dortmunder MatchWorkParty, wo Studentinnen und Absolventinnen gezielt mit innovativen Unternehmen in Kontakt treten.

Die Vermittlung der Sinnhaftigkeit, Vorbilder, Netzwerke und Kulturänderungen in Unternehmen sind Bausteine, um mehr Frauen in Führung und in sogenannten MINT-Berufe zu bringen. Hilfreich ist auch ein Überdenken der Sprache, denn Frauen fühlen sich wohler, wenn es um Freude am Gestalten und Unterstützen, statt um IT und Führung geht. Und eine Teilnehmerin ergänzt einen weiteren, wichtigen Aspekt: „Es ist auch okay, nicht Everybody’s Darling zu sein!“

Volles Haus beim Internationalen Frauentag im Dortmunder Rathaus

Foto: Volles Haus beim Internationalen Frauentag 2020 im Dortmunder Rathaus

Zum Internationalen Frauentag hatte das Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund ins Rathaus eingeladen. Mehr als 500 Dortmunderinnen nutzten die Gelegenheit zum Austausch und zur Information rund um das Thema Gleichberechtigung. Gleichstellungsbeauftragte Maresa Feldmann eröffnete die Veranstaltung gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Katrin Kieseier.

Foto: Eröffnen den Internationalen Frauentag im Dortmunder Rathaus: Maresa Feldmann und Katrin Kieseier
Foto: Eröffnen den Internationalen Frauentag 2020 im Dortmunder Rathaus: Maresa Feldmann und Katrin Kieseier


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Kompetenzzentrum Frau und Beruf Westfälisches Ruhrgebiet

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Wirtschaftsförderung Dortmund im Verbund mit der Wirtschaftsförderungs- gesellschaft für den Kreis Unna mbH

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