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29.10.2020 - Gut für Vereinbarkeit ist gut für die Krise

Online-Seminar: Flexible Arbeit - Fluch und/oder Segen für Unternehmen und Familien?

Flexible Arbeit, Arbeitszeiten und Arbeitsorte helfen vielen Unternehmen, die Corona-Krise zu bewältigen. Für viele Beschäftigte und Familien entwickeln sich Arbeit, Betreuung und Home-Schooling aber auch zu einer echten Belastungsprobe. Daher fragte das Bündnis für Familie Kreis Unna: „Flexible Arbeit – Fluch und /oder Segen für Unternehmen und Familien?“. Anke Jauer vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf moderierte am 28. Oktober 2020 das 90-minütige Online-Seminar mit 45 Teilnehmenden. Zwei Referentinnen lieferten detaillierten Input aus aktuellen Studien.

Familienfreundliche Betriebe kommen besser durch die Pandemie

Den Beginn als Referentin machte Kirsten Frohnert, sie ist Projektleiterin im Netzwerkbüro „Erfolgsfaktor Familie“ und zeigte anhand verschiedener Daten, warum sich Arbeitszeitflexibilität für Betriebe und Familien lohnt. Wichtige Indizien lieferte eine Befragung im Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ bei 263 Unternehmen unter dem Titel „Aus der Krise in die Zukunft“. Die zentrale Erkenntnis für Kirsten Frohnert lautet: „Unternehmen, die familienbewusst aufgestellt sind, sind in der Pandemie besser mit den Anforderungen an die Flexibilität klargekommen.“

Home-Office und Vertrauen

Diese Unternehmen sind erprobt in Fragen der Arbeitsflexibilität und haben Erfahrung mit der Umsetzung. Denn flexible Arbeitszeiten, Home-Office und ortsunabhängiges Arbeiten sind für Unternehmen auch eine Frage des Vertrauens. Und das gibt es nicht von alleine, sondern muss durch klare Regeln erarbeitet werden. Kirsten Frohnert schlägt zum Beispiel klare Absprachen zur Erreichbarkeit im Home-Office vor: „Wenn ich Beschäftigte in vereinbarten Zeiten anrufe und das Klingeln mehrmals ins Leere geht, baut sich kein Vertrauen auf!“

Eine Frage von Führung und Unternehmenskultur

Im Führen auf Distanz liegt daher eine große Herausforderung für Unternehmen und Führungskräfte. Damit der Teamspirit nicht verloren geht, bedarf es wesentlich mehr Kommunikation. Zur Leistungsmessung zählt das Erreichen von Zielen statt bloße Anwesenheit. Gleichzeitig müssen moderne Tools und Techniken gelernt und eingebunden werden. All das erfordert neue Führungspersönlichkeiten und die Notwendigkeit, Führen auf Distanz zu lernen. „Wenn es um Flexibilisierung geht, reden wir über Instrumente, Kommunikation, Haltung und Verbindlichkeit“, fasst Frohnert die Parameter für den Erfolg von flexiblen Angeboten im Betrieb zusammen.

Aktuelle Forschungsergebnisse aus der Pandemie

Im zweiten Vortrag lieferte Dr. Christina Boll vom Deutschen Jugendinstitut e. V. (DJI) aktuelle Daten aus der Corona-Zeit, die die Erwerbssituation und Bedarfe von Familien betreffen. Es zeigt sich, Kinderbetreuung ist ein massives Problem in der Pandemie. „Zu Beginn hatten nur 170.000 Eltern in Deutschland Anspruch auf eine Notbetreuung“, zitiert Dr. Christina Boll aktuelle Studien und ergänzt: „Für viele Eltern war Betreuung der Unter-Dreijährigen schon vor der Pandemie ein Problem und das ist nun noch massiver geworden.“

Selbst Oma und Opa mussten aushelfen

Der Betreuungsnotstand war für viele Eltern so groß, dass trotz aller Warnungen, Risikogruppen zu schützen, fast jedes fünfte Kindergartenkind von Oma oder Opa betreut wurde. Das belegt Boll mit Zahlen zur informellen Betreuung aus einer Befragung von Mai 2020: „Die Rolle von Großeltern spiegelt die Betreuungsnot der Eltern, insbesondere bei Kleinkindern.“  

Die Schere öffnet sich: Frauen tragen die Hauptlast

Die Betreuungsbedarfe sind höher als die Angebote. Die Folgen sind naheliegend. Die Belastungen sind für Eltern mit Kindern enorm gestiegen und Frauen im Home-Office trifft es besonders. „Die Schere geht weiter auseinander zwischen Frauen und Männern. Frauen tragen die Hauptlast der Betreuung“, schließt Dr. Christina Boll. Und dann ist da ja auch noch die Pflege. Neben der Kinderbetreuung ist auch die Belastung durch die Pflege meist älterer Menschen gestiegen. Töchter und Ehefrauen stellten in Corona-Zeiten die Hauptgruppen der pflegenden Angehörigen.

Einen Zahn zulegen

Das Fazit der Wissenschaftlerin: „Es passiert bereits eine Menge bei Unternehmen. Aber es ist auch noch Luft nach oben.“ Für Unternehmen zeigt die aktuelle Prognos-Studie (2020), dass vereinbarkeitsfördernde Maßnahmen ausgebaut wurden, aber nicht alle Eltern gleichermaßen profitieren. Rollenvorbilder und Führungskulturen müssen in Zeiten steigender Flexibilisierung mit technologischem Wandel und Möglichkeiten Schritt halten. Das heißt zum Beispiel, weg von der reinen Präsenzkultur. Neben den Unternehmen ist aber auch die Politik gefragt, flächendeckend verlässliche Betreuung zu schaffen.  

Moderatorin Anke Jauer von CompetentiaNach zwei hochaktuellen Vorträgen zieht Anke Jauer vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf ein positives Fazit: „Das war eine Parforceritt durch Studienergebnisse und Möglichkeiten, den die beiden Referentinnen lieferten. Wir haben viele aufschlussreiche Zahlen und Beispiele gesehen, die uns in der Diskussion weiter bringen werden.“

Nun geht es für alle Beteiligten darum, den gelieferten Fakten, Taten folgen zu lassen. Das Online-Seminar wurde gemeinsam von dem Lokalen Bündnis für Familie Kreis Unna, der Wirtschaftsförderung Kreis Unna, dem Kompetenzzentrum Frau & Beruf Competentia, der IHK zu Dortmund, der Agentur für Arbeit Hamm und dem Jobcenter Kreis Unna organisiert und vom Servicebüro Lokale Bündnisse für Familie unterstützt.

Die aktuellen Prognos-Studie von September 2020 als PDF



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Kompetenzzentrum Frau und Beruf Westfälisches Ruhrgebiet

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Wirtschaftsförderung Dortmund im Verbund mit der Wirtschaftsförderungs- gesellschaft für den Kreis Unna mbH

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