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11.11.2021 - Vom Erbsenzählen und Videobotschaften: Neue Wege im Recruitingprozess

Ziele

Grafik aus der Präsentation von Referent Dominique Rene Fara

Beim Workshop „Erfolgreicher Bewerbungsprozess geht auch digital: Echte Verbindungen zwischen Studentinnen und Unternehmen" konnten Unternehmen und Studentinnen erste Schritte der Vernetzung tun und sich über ihre Erfahrungen bei Bewerbungen austauschen. Eingeladen hatte das Kompetenzzentrum Frau & Beruf gemeinsam mit dem Stellenwerk der TU Dortmund im Rahmen der Digitalen Woche Dortmund. Fast 40 Gäste folgten der Einladung zum Online-Workshop.

Ein guter Start zur Vernetzung ist der Perspektivwechsel. Referent Dominique Fara forderte die Unternehmensvertreterinnen auf, sich in die Rolle einer Bewerberin zu versetzen „Ihr wisst, dass ihr euch jede Stelle der Welt aussuchen könnt. Wie müsste das Bewerbungsverfahren aussehen, damit ihr euch für ein Unternehmen entscheidet?“ Transparenz, Zuverlässigkeit und verbindliche Kommunikation gehörten zu den Mindestanforderungen. Und auch der erste Eindruck des Unternehmens muss stimmen, dazu zählen eine klare Sprache in der Ausschreibung sowie eine transparente Unternehmenskultur.

Umgekehrt wurden auch die Studentinnen gefragt: „Wie müsste sich eine Bewerberin präsentieren, damit du dich für sie entscheidest?“ Sympathische Ausstrahlung, Motivation, Selbstbewusstsein und Höflichkeit waren Kriterien. Die menschliche Passung zum Unternehmen und die Bereitschaft zu lernen sind wichtiger als Detailkenntnisse.

Wie viele Erbsen passen in eine Weinflasche?

Soweit das Wunschdenken, danach ging es an die Realität. Was war eine Bewerberinnenleistung, die inspiriert hat? Oder wo gab es ein besonders gut gemachtes Gespräch von Seiten einer Firma? Besonders beeindruckt war eine Recruiterin von einer hochprofessionellen jungen Dame, die den Vorstand im Bewerbungsgespräch förmlich an die Wand gefragt hat. Mit gezielten, aber wertschätzenden Fragen und einer super Vorbereitung hat sie Schwachpunkte im Unternehmen aufgedeckt. Sie war so selbstbewusst, dass sie sagte: „Ihr bewerbt euch auch um mich.“ Der Vorstand war sprachlos.

Genervt sind Bewerberinnen von immer gleichen Bewerbungsgesprächen mit stereotypen Fragen. Aber es geht auch anders. Immer dann, wenn Bewerberinnen nach ihrer Einschätzung gefragt werden oder Persönliches erzählen können. Eine junge Maschinenbauerin wurde im Bewerbungsgespräch um einen Job als Werksstudentin gefragt, ob sie Wein trinkt? Auf diese überraschende Frage folgte gleich die nächste: „Was meinen Sie, wie viele Erbsen passen in eine Weinflasche?“ Hier konnte die junge Frau zeigen, wie sie eine zunächst unlösbare Frage angeht und ob sie das Wissen aus dem Studium in die Praxis transportieren kann.

Ziele eines Recruitingverfahrens: Schwärmen sollt ihr!

Doch wie sieht nun das ideale Bewerbungsgespräch aus? Entscheidend für beide Seiten ist das Ziel des Gesprächs. Was will ich zeigen? Was möchte ich erfahren? Referent Dominique Fara unterscheidet zwischen folgenden vier Zielen:

  1. Kann die Person diesen Job ausfüllen? Das ist fast immer der Hauptfokus. Viele Personalverantwortliche machen sich gar nicht bewusst, dass es um mehr geht.

  2. Der zweite Punkt ist mindestens genauso wichtig: Wird die Person den Job lieben? Wird sie einen Nine-to-Five-Job machen oder wird sie den Job ausfüllen, weil sie ihn liebt. Daher gilt es herauszufinden, wofür jemand brennt, welcher tiefere Sinn diese Person antreibt.

  3. Das dritte Ziel: Können wir mit dieser Person arbeiten? Sie muss zur Kultur und ins Team passen, sonst werden beide Seiten auf Dauer nicht glücklich miteinander.

  4. Ein weiteres Ziel: Wird diese Person von unserem Unternehmen schwärmen? Da Arbeitgebende heute auf Plattformen wie Kununu in vielen Facetten bewertet werden, ist dieser Aspekt von enormer Bedeutung für das Employer Branding. Wenn es beispielsweise gelingt, trotz einer Absage eine Empfehlung bei Kununu zu bekommen, ist das Ziel erreicht. Daher sollten Recruiter auch mit abgelehnten Bewerbern und Bewerberinnen ein persönliches, wertschätzendes Gespräch führen.

Drei-Zeiler, Video oder gar kein Anschreiben

Ist man im Bewerbungsgespräch angekommen, haben beide Seiten schon viel erreicht. Aber ähnlich wie in der Liebe stellt sich auch bei Bewerbungen die Frage nach dem ersten Schritt. Schließlich gilt der erste Kontakt oftmals als entscheidend. In Bewerbungsverfahren hat sich die Kultur rund um den ersten Schritt gründlich gewandelt. Viele kennen das Beispiel von Nina, die sich öffentlichkeitswirksam bei Airbnb in einem Video bewarb. Dazu hatte sie eine Homepage mit kompletter Marktanalyse angefertigt, die inzwischen mehr als eine Millionen Mal angeklickt wurde. Diese proaktive Analyse ist natürlich spektakulär, als Standard aber erheblich zu aufwändig.

Entscheidend ist auch hier die Frage, was wollt ihr im ersten Bewerbungsschritt herausfinden bzw. vermitteln. Klassischerweise sind das im ersten Schritt die Fähigkeiten. Aber kann man mit einer klassischen Bewerbungsmappe herausfinden, ob eine Person für das Unternehmen schwärmt? Viele Unternehmen verzichten heute auf die üblichen Anschreiben. Schließlich hat es selten eine Person alleine geschrieben, da wirklich etwas herauszulesen, ist schwierig. Ein Drei-Zeiler als Beleg für die Motivation? Für eine Bewerbung für die Stadtverwaltung reicht das hingegen nicht aus, macht eine Workshop-Besucherin deutlich. Bei einer Umfrage unter den Workshop-Teilnehmenden hat sich die Bewerbung in Papierform gegenüber dem Video klar durchgesetzt. Aber auch Veranstaltungen wie diese werden gerne genutzt.

Fortsetzung folgt!

Um dann wirklich den Traumjob zu bekommen, braucht es meist mehrere Schritte. So wird der Workshop in zwei weiteren Teilen am 30. November und am 1. Dezember fortgesetzt. Dann können sich die Unternehmen richtig in Szene setzen und bei einer Workshop-artigen, virtuellen Job-Messe zeigen, was sie für weibliche MINT-affine Studentinnen und Absolventinnen zu bieten haben. Die teilnehmenden Firmen dürfen dann einen professionellen, digitalen Messestand anfertigen, mit allem was ihr Unternehmen auszeichnet.

Der zweieinhalbstündige Workshop rund um den „Erfolgreichen Bewerbungsprozess“ bot viel Gelegenheit zum Mitmachen. Studentinnen wie Personalverantwortliche bekamen Feedback und neue Impulse für künftige Bewerbungen und einen modernen Recruitingprozess. Wie immer stand am Ende die Frage des Referenten: „Was würdet ihr von heute gerne umsetzen?“ Ist doch klar: Zählen, wie viele Erbsen in eine Weinflasche passen.

Zusatzinformationen:

Kontaktdaten:

Kompetenzzentrum Frau und Beruf Westfälisches Ruhrgebiet

Träger:
Wirtschaftsförderung Dortmund im Verbund mit der Wirtschaftsförderungs- gesellschaft für den Kreis Unna mbH

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