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19.05.2022 - MINT.Intercultural.Women. – Eine Bereicherung für jedes Team

Zugehörigkeit schaffen, Hürden abbauen und Netzwerke bilden

Mint

Welche Hürden gibt es für Frauen im MINT-Bereich, insbesondere, wenn sie einen Migrationshintergrund haben? Das war die Kernfrage des Online-Podiums „MINT.Intercultural.Women.“. Die Gäste Kenza Ait Si Abbou Lyadini, Marcia Delgado, Katrin Fomm und Lidie Mambasa zeigten eindrucksvoll, dass Interkulturalität eine Bereicherung für jedes Team und Unternehmen ist.

Kenza Ait Si Abbou ist eine deutsche Ingenieurin, Elektrotechnikerin, leitende Managerin und Expertin für Künstliche Intelligenz und Robotik. Geboren in Marokko, studierte sie in Spanien, spricht sieben Sprachen, beherrscht diverse Programmiersprachen und lebt in Berlin. „Im Nachhinein war es einfach“, sagt sie zu ihrer Karriere, auch wenn sie nie den roten Teppich ausgerollt bekam: „Ich bin mit meiner Liebe zur Mathematik auf die Welt gekommen. Das war ein großes Glück. Das Gute: Niemand hat mich daran gehindert.“ Denn Sätze, wie sie in Deutschland oft zu hören sind wie „Mathe ist doch nichts für Mädchen“ hat sie nie zu Ohren bekommen. Daher ist die erfolgreiche IT-Frau der Überzeugung, dass derartige Stigmatisierungen Mädchen nur abschrecken. Ein Prozess der meist erst in der Pubertät beginnt. Denn immer wieder belegen Studien, dass Mädchen in jungen Jahren in Punkto Mathe und Technik durchaus die Nase vorn haben.

Doch wie wirkt sich die Herkunft auf die berufliche Laufbahn aus? Ist Interkulturalität eher Vorteil oder Bremse? Für Kenza Ait Si Abbou kann es nur eine Antwort geben: „Ich habe in jedem Land, in dem ich gelebt habe, etwas mitgenommen. Das hat meine Perspektive geweitet.“ Trotzdem hatte sie es nach dem Abschluss schwer, einen Job zu finden. Der Berliner Elektrotechnikerin fehlten nicht nur Vitamin B und Referenzen: „Ich war ja ganz alleine hier und kannte noch niemanden. Es geht ums Türenöffnen. Ich hatte einen komischen Namen und war allein. In Bewerbungsgesprächen lief immer alles gut. Aber zum Ende hin war man doch die unbekannte Fremde, aber natürlich sagt dir niemand, woran es liegt.“ Diese strukturelle Diskriminierung kennen Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland. Kenzas weitere Termine und Hot Topics findet ihr u.a. auf ihrem Linkedin-Profil: https://www.linkedin.com/in/kenza-ait-si-abbou/

Marcia Delgado, junge Extrem-Netzwerkerin und u.a. Mitglied im Business and Professional Women e.V., hat bei adesso SE das Netzwerk „She for IT“ ins Leben gerufen. Sie kam aus Kolumbien, kämpfte mit der Sprache und hatte immer das Gefühl, sich besonders beweisen zu müssen und nicht dazuzugehören: „Es gibt mehr Barrieren als nur im HR. Unternehmen müssen sich fragen: ‚ Was ist unsere Kultur – sind wir offen genug für andere? ‘“ Dennoch hat sie ihren Weg gemacht und bereits zahlreiche Veranstaltungen, Stammtische und Initiativen ins Leben gerufen und begleitet Auf ihrem LinkedIn-Profil teilt sie regelmäßig ihre Expertise und vieles mehr: https://www.linkedin.com/in/marcia-delgado1/

IT Consultant Lidie Mambasa setzte nach dem Betriebswirtschaftsstudium noch einen Abschluss als Wirtschaftsinformatikerin obendrauf. Sie wuchs zwar in Deutschland auf, doch ihre Eltern sprachen wenig Deutsch und verstanden auch das Bildungssystem nicht. Auf der anderen Seite gab es aber auch keinerlei Ressentiments gegen eine technische Laufbahn für die Tochter. Auch sie musste in ihrem Arbeitsleben zunächst Hürden überwinden: „Ein offeneres Bild auf der Website des öffentlichen Dienstes wäre für sie besser gewesen.“ Beruflich weiter gekommen ist sie erst durch eine Fürsprecherin im Betrieb. Lidie Mambasa ist aktives Mitglied bei der SWANS-Initiative und bald auch in weiteren Netzwerken unterwegs: https://www.linkedin.com/in/lidie-mambasa-545742142/

BPW-Mitgliedsfrau und Team Lead Katrin Fommvon WILO SE bestätigt, wie wichtig Internationalität für große Unternehmen ist. Gerade deshalb betont sie die besondere Stellung von (Frauen-)Netzwerken: „Seid proaktiv, macht euch die Türen selbst auf. Sucht euch Netzwerke, die zu euch passen und in denen ihr Unterstützung durch das Teilen von Erfahrungen bekommen könnt. Kontaktiert Frauen, die in Unternehmen arbeiten, die ihr interessant findet!“ Die beste Möglichkeit sei da natürlich ein Mentoring. Wenn ihr noch weitere Fragen an Katrin habt, schreibt sie einfach an: https://www.linkedin.com/in/katrin-fomm-73b8b216b/

Dennoch begegnen den Frauen mit Migrationshintergrund auch in den gefragten technischen Berufen noch viele Hürden durch „Unconscious Bias“, also implizite und oft unbewusste Vorurteile, sagt Marcia Delgado: „Was man nicht rausbekommt sind die Unconscious Bias. In der letzten Runde einer Bewerbung zählt dann doch die Chemie, der gleiche Fußballverein, die gleiche Grundschule oder ähnliches. Am Ende will keiner das Risiko eingehen und jemanden einstellen, den man nicht kennt.“

Gender, so die Erfahrung der Podiumsteilnehmerinnen, ist als Thema in den Personalabteilungen angekommen, Interkulturalität noch nicht. Hier fehlt es offenbar noch vielen Führungskräften an der nötigen Kompetenz. Doch wo den Hebel ansetzten? Am besten schon bei den Kleinsten in Kita und Schule.

Was Frauen generell stärkt, sind Netzwerke jeder Art. Besonders berufliche Netzwerke wie die Clubs von BPW Germany, die in vielen Regionen aktiv sind, können helfen: Kontakte knüpfen, Empfehlungen bekommen, das Zugehörigkeitsgefühl stärken und wichtige Impulse und Feedback für Job und Karriere geben.

Der Podiumstalk, den das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Westfälisches Ruhrgebiet gemeinsam mit dem BPW Germany und der Fachhochschule Dortmund angeboten hat, zeigt die Bandbreite und die Komplexität des Themas. Vor allem lieferte der Talk ermutigende und inspirierende Beiträge, die jeder Frau in naturwissenschaftlich-technischen Berufen das Mindset mit auf den Weg geben „Ich bin eine Bereicherung für jedes Team.“ Vielleicht spricht sich das ja auch allmählich in den Personalabteilungen rum.

Organisatorin Laura Kanthak vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf war hochzufrieden mit der Veranstaltung und sieht darin zugleich einen Startschuss im Bereich Interkulturalität: „Wir sind hoch zufrieden über den Erfolg und die Reichweite, die dieses Format erreichen konnte. Wir sind absolut begeistert von dem Podium und wie offen die Expertinnen den knapp 38 Teilnehmer*innen von ihren Erfahrungen berichtet haben. Auf einen Nenner konnten wir zum Schluss alle kommen: Netzwerke sind das A und O. Macht Kontakte und sprecht andere Frauen an. Unsere Expertinnen haben es schon vorgemacht!“

Zusatzinformationen:

Kontaktdaten:

Kompetenzzentrum Frau und Beruf Westfälisches Ruhrgebiet

Träger:
Wirtschaftsförderung Dortmund im Verbund mit der Wirtschaftsförderungs- gesellschaft für den Kreis Unna mbH

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