Aktueller Inhalt:

07.05.2022 - Plötzlich Chefin. Führungsqualitäten entwickeln

Plötzlich Chefin als Nachfolgerin

Wenn frau „Plötzlich Chefin“ wird, ist Kommunikation das A und O. Aber man muss als Führungskraft nicht immer Everybody's Darling sein und darf auch mal Fehler machen. So die Erkenntnisse des Online-Events, zu dem die Informations- und Servicestelle Unternehmensnachfolge für Frauen gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Frau & Beruf eingeladen hatte.

Es kamen 25 interessiere Besucherinnen, die Führungswissen aus der Praxis von zwei gut aufgelegten Unternehmens-Nachfolgerinnen aus Dortmund erhielten: Monique Fröhlich von der Aktionspotenzial GmbH & Co. Kg und Friseurmeisterin Nina Grothaus.
 
Wenn jemand plötzlich Chefin wird, bleibt meist wenig Zeit sich lange auf die neuen Aufgaben vorzubereiten. So geht es Frauen, wenn sie unerwartet befördert werden, wenn sie sich fragen, ob sie sich auf eine Führungsposition bewerben sollen oder Unternehmerinnen, die als Nachfolgerin ein Unternehmen übernehmen.

Besonders groß war der Sprung zur Führung bei Monique Fröhlich von der Aktionspotenzial GmbH & Co. Kg. Im jungen Alter von 27 Jahren ist sie bereits alleinige Geschäftsführerin des Unternehmens geworden, in dem sie erst sechs Jahre zuvor ihre Ausbildung begonnen hatte, der Marketingagentur Aktionspotenzial GmbH & Co. KG. Dazu hat sie ein Drittel der Geschäftsanteile der GmbH übernommen.

Doch damit nicht genug, die Übernahme erfolgte in Zeiten von Corona und damit waren Veränderungen in dem Unternehmen notwendig, die Monique Fröhlich in die Wege leiten musste: „Meine Herausforderung war es, die bestehenden Glaubenssätze aufzubrechen. Ich wollte, dass wir offen und mit frischem Wind denken. Und da war Vorleben und Machen das aller Wichtigste. Und immer da sein. Es gab keinen Tag, an dem ich nicht von früh morgens bis spät abends in der Agentur war.“ Das hat funktioniert. Denn Vorbild sein ist die beste Art andere zu beeinflussen. Daher gehört die Vorbild-Funktion einer Führungskraft für die Mitarbeitenden zu den wesentlichen Merkmalen guter Führung.

Entscheidungen und Verantwortung

Auch Nina Grothaus startete sehr jung in die Unternehmens-Nachfolge. Sie hat in Dortmund mit Ende 20, direkt nach der Meisterschule, einen Friseursalon übernommen. Und damit ein Team, das deutlich älter war als sie und schon lange in dem Betrieb gearbeitet hatte. Als neue Chefin musste sie sich erst einmal beweisen. Um sich in die neue Rolle einzufinden, hat sie schon vor der Übernahme Einzelgespräche mit allen Beschäftigten geführt: „Kommunikation ist das wichtigste, wenn es um Führung geht“, ist Nina Grothaus daher überzeugt.

Die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen, ist eine weitere Fähigkeit, die Führungskräfte brauchen. „Keine Entscheidung zu treffen, ist ja keine Option“, sagt die Friseurmeisterin: „Dann machen es andere für uns. Und das ist doch der Job, den wir uns ausgesucht haben und mit Herzblut machen.“ Dennoch fallen nicht alle Entscheidungen leicht, wenn man wie Nina Grothaus sieben Beschäftigte hat: „Natürlich kann ich es nicht immer jedem recht machen, muss ich aber auch nicht. Man muss es vernünftig erklären, aber Führung bedeutet, Entscheidungen zu treffen.“

Entscheiden bedeutet auch Verantwortung zu übernehmen. Diese Bereitschaft sollte eine angehende Führungskraft mitbringen. Ein allzu großes Harmoniebedürfnis ist daher in Führungspositionen eher hinderlich. Man kann nicht immer Everybody's Darling sein.

Führung geht nicht in neun Monaten

Die 25 Teilnehmerinnen konnten sich in Kleingruppen intensiv mit den beiden Unternehmensnachfolgerinnen austauschen und es entwickelten sich sehr persönliche Gespräche über Führung, über Karriereentwicklung, darüber wie frau Unternehmerin oder Nachfolgerin wird und wie sie eine Unternehmensgründung finanzieren kann. Dabei wurden auch sehr persönliche Facetten berührt, wie die Schwierigkeit, den ersten Schritt zu tun, sich selbst Ziele zu setzen, zu lernen, aber auch Themen wie Scheitern, Mut machen, Fehler und die Tücken der Kommunikation.

Das Fazit: Führung ist sehr komplex und Führungsqualitäten entwickeln sich nicht über Nacht. Monique Fröhlich gibt offen zu: „Das Jahr vor der Übernahme war das tränenreichste, das ich hatte. Es ist nicht einfach, es ist unfassbar hart. Aber irgendwann kann man dann sagen: ‚Okay, ich habe es geschafft!‘“

Am Ende zeigten sich die Teilnehmerinnen und die Veranstalterinnen sehr zufrieden mit der Intensität und Themenvielfalt der Veranstaltung. Dazu Laura Kanthak vom Kompetenzzentrum Frau & Beruf: „Es war sehr beeindruckend und bewegend, wie offen und souverän die beiden Nachfolgerinnen über ihre bisherigen Erfahrungen als Führungskraft gesprochen haben. Beide sind perfekte Role Models, um anderen Frauen zu zeigen: ‚Man kann es schaffen, auch wenn es manchmal schwierig ist. Fehler sind in Ordnung und kein K.O.-Kriterium für eine gute Führungskraft. Denn andere vor mir haben es auch geschafft.‘“

Die vielleicht wichtigste Botschaft des Abends an alle führungsinteressierten Frauen: Wer eine gute Führungskraft werden möchte, sollte sich selbst Zeit geben und eigene Fehler verzeihen – das ist ein Erfolg versprechender Weg, wenn frau plötzlich Chefin wird.

Zusatzinformationen:

Kontaktdaten:

Kompetenzzentrum Frau und Beruf Westfälisches Ruhrgebiet

Träger:
Wirtschaftsförderung Dortmund im Verbund mit der Wirtschaftsförderungs- gesellschaft für den Kreis Unna mbH

Ansprechperson:
Hier finden Sie Ihre Ansprechpersonen »

Kalender

< August 2022 >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31

Die nächsten 3 Veranstaltungen:

Derzeit liegen keine Termine vor.